Dominik Schneider

Musiker, Flötenbau und gelegentlich Fotografie

Besaitung meiner Zupfinstrumente für TIEFE Töne…

Auf Nachfrage hier eine kleine Erläuterung zur Besaitung der „Bass-Saiten“ früher Zupfinstrumente:

Viele Zupfinstrumente, die für die Musik des Mittelalters und auch der Renaissance verwendet werden, sind hierzulande mit den unterschiedlichsten Saiten bezogen – Darm klingt am besten, keine Frage! 🙂 Für den heutigen Konzertbetrieb mit schwankender Luftfeuchtigkeit soll eine Stimmung aber möglichst lange halten. Daher setzen die Spieler auf meist moderne Saiten, die den Klangeigenschaften von Darm nahe kommen können (zb. carbon, nylgut, auch loaded-nylgut).
Für ein Instrument aus dem Bereich Mittelalter (Quinterne, Citole, Laute etc.) sollen aber die Saiten nicht umsponnen sein, um das nötige Eigengewicht für den gewünschten (tiefen) Ton zu bekommen. Also sind dem Tonumfang nach unten natürliche Grenzen gesetzt. Darmsaiten werden häufig gedreht, damit diese mehr Stabilität und Dichte, und damit mehr auch Eigengewicht bekommen.

Seit einiger Zeit habe ich Versuche unternommen, solche gedrehten Saiten selber herzustellen. Dank an Yamao Hasumi für seine Tips. Eine blanke Saite fängt, je tiefer sie schwingen soll, irgendwann an sehr große Schwingungsamplituden zu zeigen und damit einen sehr „schwammigen“ Ton zu erzeugen, der nicht mehr klar zeichnet und damit auch dumpf klingen kann. Um dieses Problem zu umgehen, wird nun die Saite in sich verdreht, so dass die Schwingungen über die dann vorhandene Drehung besser in Längstrichtung abgeleitet wird und eine wesentlich geringere Amplitude auftritt. Ebenso wird das Eigengewicht der Saite je nach Drehung erhöht und der Durchmesser wächst um 5-10%. Aus diesem Grund kann man dann wiederum einen dünneren Durchmesser wählen bei gleichem Ton.

Das Bild zeigt eine blanke Saite auf der linken Seite und rechts eine gedrehte Saite im Rohzustand (ohne Finish).

Für meine tiefen Saiten (ab ca. 0.9mm Durchmesser) verwende ich blankes Carbon. Vor der Drehung wird es angeschliffen, bzw. aufgerauht. Nach der Drehung wird die Saite mit Schellack überzogen (Klanghomogeniät) und abgepudert (für eine bessere Griffigkeit). Das Ergebnis ist eine gut schwingende Saite mit angenehmer Steifigkeit. Die Klangeigenschaften kommen an die des Darmes erstaunlich nah heran und durch die Materialeigenschaften des Carbons können sogar etwas tiefere Töne erreicht werden (derzeit ein G bei einer Saitendicke von 1.66mm und 485mm Mensur).

fertige, gedrehte Saiten auf den unteren beiden Chören des Instrumentes

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Mai 2020 von in research.

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