Dominik Schneider

Musiker, Flötenbau und gelegentlich Fotografie

Qanbus: die Entstehung eines Einbaums…

Meine Quinterne hat mir vor ein paar Jahren Martin Uhlig aus Leipzig gebaut und sie ist mir ein treuer Begleiter geworden. Auf der Suche nach den Ursprüngen dieses Instrumententypus findet man zunächst nicht wirklich viel: Eine Außenhülle, die in irgendeiner Latrine erhalten geblieben ist und eben das einzig spielbar erhaltene Instrument in der Sammlung der Wartburg (Eisenach). Dieses Instrument ist ein Typus aus dem späten Mittelalter bzw. der frühen Renaissance. Darüber hinaus sind etliche Miniaturen in diversen Manuskripten erhalten.

Quinterne von Hans Oth, ca. 1432-1463 (heute im Museum der Wartburg)

Gittern aus Elbing (Polen) – Latrinenfund, ca 1350-1450

Mehr Informationen zur Geschichte der Quinterne (engl.: gittern) findet man hier!

Eigene Recherchen führten mich nach Yemen, wo ein ähnlicher Lautentyp heute noch gebaut und gespielt wird: der Qanbus (in umliegenden Ländern wird dieser monoxyle Lautentyp auch als Gambus bezeichnet). Die Spuren dieses Instrumentes reichen bis in die Zeit vor Christus zurück. Die äußere Form und das Bauprinzip des Qanbus entsprichen genau denen der Quinterne – allerdings gibt es kleine Unterschiede:

  • die Gestaltung des Griffbrettes ohne Bünde (wobei niemand zu sagen vermag, ob ein Teil der in Europa ikonographisch überlieferten Instrumente mit Bünden ausgestattet war oder nicht)
  • das Griffbrett ist etwas weiter heruntergezogen und an Stelle einer hölzernen Decke ist der Korpus im unteren Bereich mit einer eingefärbten Tierhaut überzogen

Qanbus von Fuad Al-Quturi aus Sanaa (Yemen)

Aus Gründen wechselnder Feuchtigkeit sind die Instrumente mit einer Decke aus Tierhaut in unseren Breiten nicht wirklich zu verwenden – einige wenige exportierte Instrumente wurden „umgebaut“ und mit einer dünnen Holzdecke ausgestattet. Meiner Meinung nach gehen die europäischen Instrumente mit ziemlicher Sicherheit auf solch einen Instrumententyp zurück.

Gambus aus Indonesien (heute im Quai Branly Museum)

Mehr Informationen zum Qanbus/Gambus findet man hier:

In den letzten zwei Jahren habe ich mit intensiv mit dem Qanbus beschäftigt und ein solches Instrument gebaut. Der Korpus ist aus einem Stück Holz (in meinem Fall Ahorn) gefertigt und anschließend mit einer Decke und Griffbrett ausgestattet worden. Dabei liegt der Hauptteil der Arbeit im Aushöhlen des Korpus. Hier einige Bilder aus dem Entstehungsprozess.
Mein großer Dank geht an Johannes Loescher, Leonhard Rank und Daniel Koop, die es mir freundlicherweise gestattet haben, in ihrer Werkstatt zu arbeiten – und nebenher mit guten Ratschlägen und Unterhaltung meine Höhen und Tiefen beim Instrumentenbau ertragen haben. Auch Oliver Bergner danke ich für einen tollen Koffer…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Juni 2019 von in research.

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